„Endlich das Abitur geschafft“, so teilte mir kürzlich der Sohn eines Freundes freudestrahlend mit. Doch in die Freude mischte sich ein kleiner Wermutstropfen, weil er mit seiner Abiturnote von 2,0 seinen Traum von einem Medizinstudium wohl vorerst begraben muss. „Als Ausweg bliebe ihm nur die Wartezeitregelung“, so fuhr er in unserem Gespräch fort. Grund: zum Leidwesen vieler junger Menschen ist in den fast allen Hochschulen / Bundesländern eine Abiturnote von 1,0 notwendig, um die Zulassung zu einem Medizinstudium zu bekommen. Da er in seiner Situation nicht der einzige ist, so ist es sicherlich Anlass genug, die Wartezeitregelung einmal genauer zu betrachten: Zunächst einmal muss man wissen, dass die Abiturnote nur für 20 Prozent aller Studienplätze ausschlaggebend ist. Über weitere 60 Prozent der jeweils verfügbaren Hochschulplätze können Universitäten nach bestimmten Auswahlkriterien (z. B. Berufspraxis, fachspezifischer Test, gewichteten Einzelfachnoten, ein fachspezifisches Test, Ortspräferenz) selbst entscheiden. Die restlichen 20 Prozent der Plätze werden nach der Wartezeitregelung vergeben. Für die Studienzulassung nach Erfüllung der Wartezeit wird eine Wartezeitquote erstellt, d. h. eine Rangliste aller Bewerber anhand der Zeit, die seit dem Erwerb der Studienberechtigung vergangen ist. Dabei werden die Wartezeiten nicht willkürlich festgelegt, sondern die Hochschulen / Bundesländer legen fest, wie viele Studienplätze sie vergeben. Die Bewerber für einen Studienplatz werden dann in eine Rangfolge gebracht, bei der die mit den meisten Wartesemestern zuerst an die Reihe kommen. Nicht gezählt werden die Semester, die jemand an einer deutschen Hochschule in einem anderen Studiengang eingeschrieben war. Auch werden bei der Berechnung der Wartezeiten für die Studiengänge Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie künftig Studienzeiten in Teilzeit‐ und Fernstudiengängen (wie z. B. an der Fernuniversität Hagen) nicht mehr wie noch früher bei der Wartezeit berücksichtigt. Wenn zu viele Studienanwärter die jeweilige Wartezeitquote erfüllen, wird nachrangig die Abiturnote berücksichtigt. Übrigens: Für das Sommersemester 2014 lag die erforderliche Wartezeit für das Studienfach Medizin bei 13 Wartesemestern. Sollte der Sohn meines Freundes nach meinen Ausführungen zur Wartezeitregelung noch nicht das Interesse an einem Medizinstudium verloren haben, so kann ich ihm nur empfehlen, während seiner Wartezeit Berufserfahrung wie zum Beispiel durch eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger zu überbrücken. Dieses dürfte ihm sicherlich für sein späteres Studium nützlich sein.

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20. Januar 2015

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